Video 1 erklärt den Hochwasserschutz im oberen Flusslauf.
1 – Die Materialschlacht
Bei einem Hochwasser droht Gefahr durch riesige Mengen an Wasser, so wie es der Name besagt. Im August 2005 drängten innert zwei Tagen rund 42 Millionen Kubikmeter Wasser in die Lütschine, das entspricht ungefähr der Hälfte des Stauvolumens am Grimselsee. Ein Problem bildet aber auch das Geschiebe, das in Fahrt kommt. Die Wassermassen reissen Steine, Kies und Schlamm mit sich und lagern das Material ab, sobald die Fliessgeschwindigkeit abnimmt. Beim Hochwasser vom Sommer 2005 spülte die Lütschine grosse Mengen an Geschiebe aus dem steileren Abschnitt, dem Dangelstutz, in die Talfläche, unter anderem auch auf die Wiesen rund um Wilderswil.
Sofern es die Umgebung erlaubt, gehört es zu den Grundprinzipien von Schutzmassnahmen, einem Fluss mehr Platz zu geben, so dass sich im Falle eines Hochwassers Geschiebe ablagern kann. Oberhalb der Brücke nach Gsteigwiler, im Gebiet Obereyli, ist der Lauf der Lütschine wesentlich verbreitert worden. Hier reduziert sich die Fliessgeschwindigkeit und das Material bleibt in dieser Aufweitung liegen. Bei einem künftigen Hochwasser wird so weniger Geschiebe in die flacheren Flussabschnitte geschwemmt. Damit hat die Lütschine auch mehr Platz, um abzufliessen.


Wenn der Fluss Platz hat, kann sich Geschiebe ablagern, wie in der Aufweitung Obereyli (Bild rechts, Mitte). So sollte bei einem nächsten Hochwasser viel weniger Material bis in Dorfnähe transportiert werden.
Impressionen 2005 – 2025
Das Hochwasser und die baulichen Massnahmen
Daten und Fakten
Lebensraum für Fische
Bei Verbauungen in Gewässern hatten in früheren Zeiten oft Tiere und Pflanzen das Nachsehen. Moderne Hochwasserschutz-Projekte müssen auch ökologischen Aspekten genügen. Die Lütschine ist beispielsweise ein wichtiges Gewässer für die Seeforellen. Die ausgewachsenen Fische wandern den Flusslauf empor und legen ihren Laich zwischen Steine und Kies auf dem Grunde des Flussbetts. Die jungen Seeforellen bleiben die ersten Jahre im Laichgewässer. Kann sich der Fluss wie in der Aufweitung oberhalb Gsteigwiler ausbreiten, verbessern sich auch die Bedingungen für die Jungfische.