Video 1 erklärt den Hochwasserschutz im oberen Flusslauf.
3 – Das Brückenproblem
Brücken spielen bei einem Hochwasser eine spezielle Rolle, weil sich Schwemmholz verkeilen kann und schlimmstenfalls den Querschnitt ganz verstopft. Dies passierte beim Jahrhunderthochwasser im August 2005 genau an dieser Stelle hier: An der Brücke der Berner Oberland-Bahn (BOB) blieb Schwemmholz hängen und die Wassermassen stauten sich. Die Lütschine brach aus, strömte über den damaligen Damm am linken Ufer und setzte Häuser, Gärten und Wiesen unter Wasser. Über den Schulhausplatz floss sie weiter quer durchs Dorf.
Im Rahmen des Schutzprojektes ist die BOB-Bahnbrücke, die mittlere der drei Brücken, in eine sogenannte Druckbrücke umgebaut worden. Naheliegend wäre gewesen, die Brücke anzuheben, dies war jedoch nicht möglich, weil das Trassee bis zum Bahnhof Wilderswil hätte ausgebaut werden müssen. Ein Staukragen, ein speziell konstruierter Keil zur Wasserseite hin, verhindert nun, dass Schwemmholz hängenbleibt. Dieser Kragen drückt das Wasser unter der Brücke hindurch. Die vorderste Brücke gehört zur Umfahrung Wilderswil. Sie wurde im Jahr 2022 so hoch gebaut, wie es der Hochwasserschutz vorgibt. Die historische Stahlfachwerk-Brücke, diejenige der Schynige-Platte-Bahn, ist in einem aufwändigen Verfahren angehoben worden.


Die Brücken in Wilderswil bildeten früher einen Flaschenhals – heute (Bild rechts) ist die Situation verbessert: Die Brücke der Schynige-Platte-Bahn wurde angehoben, diejenige der BOB als Druckbrücke verstärkt und diejenige der Umfahrungsstrasse von Anfang an höher gebaut.
Impressionen 2005 – 2025
Das Hochwasser und die baulichen Massnahmen
Daten und Fakten
So funktioniert eine Druckbrücke
Die Druckbrücke (Mitte) ist so ausgelegt, dass sie selbst einem Extremhochwasser mit Abflussmengen von 350 Kubikmetern pro Sekunde standhält. Eine Druckblende aus Stahlblech sorgt für optimale hydraulische Strömungsverhältnisse, das Wasser wird bei Höchststand regelrecht unter der Brücke hindurchgedrückt. Angepasste Widerlager mit speziellen Einleitmauern und Wandscheiben auf der Unterwasserseite leiten die horizontalen Kräfte über Pfahlfundationen in den Boden ab.
![Stele Nr. 3_03 Grafik Brücken [Mätzener & Wyss]](/images/I_QC-SxJNoMF0bew6pONAfSjS20=/49/None-None-None-None/jpegquality-1/Stele_Nr._3_03_Grafik_Brucken_Matzener__Wyss.jpg)