Video 3 erklärt den Hochwasserschutz im unteren Flusslauf.
8 – Der Notüberlauf
Alles, was entlang eines Flusses passiert, steht miteinander in Verbindung. Dies wird bei einem Hochwasser besonders deutlich. Die Analyse der Ereignisse vom August 2005 bestätigte die schon zuvor bekannten Problemstellen im unteren Lauf der Lütschine. Die Engpässe im alten Dorfteil von Wilderswil wie auch derjenige im Siedlungsgebiet von Bönigen lassen sich durch bauliche Eingriffe nicht ganz beseitigen. Durch diese heiklen Passagen wird ein aussergewöhnlich grosses Hochwasser auch in Zukunft nicht abfliessen können – die Wassermenge muss zuvor künstlich reduziert werden.
Ein wichtiger Baustein im Zusammenspiel von Schutzmassnahmen entlang der Lütschine ist der Abflusskorridor über den ehemaligen Flugplatz. An zwei Stellen kann ein Hochwasser «geordnet» über die Ufer treten, dies oberhalb der alten Holzbrücke in Wilderswil und hier im Gebiet Ey. Bei sehr hohem Wasserstand kippen die Betonelemente des Bauwerks und ein Teil des Wassers wird in den Korridor geleitet, es kann über den Flugplatz und die Nationalstrasse hinweg in Richtung Brienzersee ablaufen. Dieser kontrollierte Notabfluss entlastet Bönigen.


Ein cleveres Bauwerk: Wie in Wilderswil springt auch hier die Hochwasserentlastung an, sobald ein aussergewöhnlich hoher Wasserstand erreicht ist. Ein Ereignis wie im Jahr 2005 könnte heute durch den Flusslauf abfliessen, kommt noch mehr Wasser, wird ein Teil in den Abflusskorridor abgeleitet.
Impressionen 2005 – 2025
Das Hochwasser und die baulichen Massnahmen
Daten und Fakten
Zusammenspiel der Entlastungen
Im unteren Lauf der Lütschine kann ein Hochwasser an zwei Stellen gezielt abgeleitet werden. Bei einer Abflussmenge von mehr als 250 Kubikmetern pro Sekunde beginnt ein Teil des Wassers zunächst über das Bauwerk Ey oberhalb von Bönigen abzufliessen. Ist die Wassermenge noch grösser, das heisst, der Abfluss überschreitet die Marke von 270 Kubikmetern pro Sekunde, kommt auch das Entlastungsbauwerk Wilderswil zum Zuge.
Ein Hochwasser in der Grösse von 250m3/s wird auch «HQ100» genannt, da es statistisch einmal alle 100 Jahre auftritt. Ein «HQ300», also 270m3/s, benennt ein Ereignis, das alle 300 Jahre erwartet wird. Noch höhere Abflüsse gelten als EHQ. Das Hochwasser vom August 2005 war ein Ereignis mit einer Abflussmenge von rund 250m3/s, es würde also gerade noch durch die Engpässe in Bönigen und Wilderswil fliessen können, ohne dass die Entlastungsbauwerke anspringen.
![Stele Nr. 3_03 Grafik Brücken [Mätzener & Wyss]](/images/QwRxYenytH7fUfyOT2blj2DJ1Vg=/178/None-None-None-None/jpegquality-1/skbs_grafik_entlastungsmengen.jpg)
